Einblick in die Welt der Jäger und Jagdbekleidung
Interview mit Tobias Ammann, Jäger aus Lyss. Tobias Ammann ist 38 Jahre alt. Er arbeitet beim Amt für Wald und Naturgefahren des Kantons Bern. In seiner Freizeit geht er leidenschaftlich gerne auf die Jagd. Wir haben uns mit dem Lysser über seine Passion, über den Jägernachwuchs und natürlich auch über Jagdbekleidung unterhalten.
Faszination Jäger
Tobias, wie bist du zur Jagd gekommen?
Durch meinen Vater. Ich habe das von Klein auf mitbekommen, durfte oft mit ihm mitgehen und bin so von Kindsbeinen an zur Jagd gekommen.
War es für dich immer klar, dass du die Jagdprüfung machen willst?
Ja, da war immer eine Leidenschaft für die Jagd und so machte ich 2007 im Alter von 22 die Prüfung.
Was jagst du?
Reh, Wildschweine, Gämse, Hirsch und Wasservögel. Das hängt stark von der Zeit ab, die ich für die Jagd aufwenden kann. Ich habe auch schon das Patent für Wasservögel gelöst, dann aber keine einzige Ente gejagt.
Wo sind deine bevorzugten Jagdgebiete?
Das kommt darauf an. Für die Rehjagd bin ich viel im Lysser Wald und auf dem Frienisberg unterwegs. Auch im Wald von Aarberg. Rund um Witzwil ist es gut für die Jagd von Wildschweinen, im Oberland Gams und Hirsch.
Als Jäger den Ausgleich zum Alltag in der Natur finden
Was gibt dir die Jagd?
Ein Ausgleich zum Alltag, zur Arbeit und natürlich regionales Fleisch in hoher Qualität! Wenn ich in den Wald gehe, wird es oft rundherum still. Fast scheint es so, als würde dich die Natur beobachten. Wenn du dann nach einem Moment des Stillsitzens um dich schaust, stellst du fest, dass alles um dich herum lebt. Da gibt es Vogelgezwitscher, du entdeckst auf einer Tanne ein Eichhörnchen oder einen Schwarzspecht, welcher vor dir einen morschen Wurzelstock bearbeitet und vielleicht hebt sogar irgendwo ein Reh das Haupt.
Ist es auch ein Rückzugsort von deinem Job?
Ja, ganz bestimmt. Es tut mir sehr gut, in der Natur zu sein, ein Teil der Natur zu sein. Hier kann ich die Ruhe geniessen und den Gedanken freien Lauf lassen. Derzeit arbeite ich beim Kanton Bern beim Amt für Wald und Naturgefahren und da zeigt sich auch die Problematik mit dem Wild und den Wildtieren, Thema Wildschäden, Verjüngung des Waldes. Ich sehe die Seite des Waldes, habe aber auch die Brille des Jägers auf. Beim Hobby kann ich beide Sichtweisen verbinden.
Kannst du uns etwas mehr über die Problematik erzählen?
Reh, Hirsch, Gams verhindern bis zu einem gewissen Grad die Verjüngung des Waldes. Man spricht von sogenannten Verbiss-, Fege-, Schäl- und Schlagschäden. Verbissschaden ist, wenn Reh, Gams, Hirsch die Knospe vom Haupt- oder Leittrieb fressen. Rehböcke fegen mit ihrem Geweih die Rinde von Jungbäumen ab, was diese verletzt. Es kommt zu Fegeschäden. Hirsche machen dasselbe im Oberland (Schäl- und Schlagschäden). Weil sie grösser und kräftiger sind, nehmen sie sich auch grössere Bäume vor. Dies wiederum stellt gerade im Oberland ein Problem dar, weil hier der Wald oft auch die Funktion eines Schutzwaldes erfüllt. Die Weisstanne leidet im Oberland sehr stark unter diesen Schäden. Sie kommt praktisch nicht mehr vor.
Du engagierst dich auch für den Jägernachwuchs.
Genau, ich bin auch noch Instruktor für Hege- und Naturkenntnisse in Lyss. Erfreulicherweise ist das Interesse an der Ausbildung in den letzten Jahren wieder gewachsen. Während die Leidenschaft für die Jagd früher oft von einer Generation an die nächste weitergegeben wurde, haben wir heute viele Junge, die ohne familiären «Jagd-Hintergrund» zu uns kommen. Die Leute suchen wieder vermehrt den Bezug zur Natur und wollen die natürlichen Prozesse kennenlernen. Dafür eignet sich die vielseitige Ausbildung ausgezeichnet!
Jagen und Hegen – der Natur Sorge tragen
Zum Jäger gehört auch die Hegearbeit. Was ist darunter zu verstehen?
Richtig, die Hege ist ein wichtiger Teil. Im Frühling kümmern wir uns mit Hegemassnahmen um den Lebensraum des Wildes. So haben wir in stundenlanger Arbeit eine Fläche mit jungen Bäumen bepflanzt. Dafür haben wir Baumarten eingesetzt, welche gut mit den sich wandelnden klimatischen Bedingungen umgehen können. Nach der Pflanzung haben wir Massnahmen ergriffen, um sie vor Wildschäden zu schützen.
Es ist also mehr als die allseits bekannte Jagd im Herbst?
Ja, definitiv. Man ist eigentlich das ganze Jahr irgendwie engagiert. Im Mai und Juni ist beispielsweise die Rehkitzrettung ein grosses Thema.
Was ist damit gemeint?
Das Reh lebt nicht nur im Wald, sondern auch in Waldrandzonen und auf dem Feld. Deshalb werden viele Rehkitze auch auf Wiesen geboren. Dort verbringen sie die ersten Tage ihres Lebens. Das Problem ist nun, dass sie bei drohender Gefahr nicht wegspringen. Im Gegenteil – sie ducken sich und versuchen so, dem sicheren Tod durch die Mähmaschine zu entgehen. Hier können wir am Abend vor dem Mähen mit Duftstoffen und akustischen Signalen der Rehgeiss signalisieren, dass Gefahr droht. Diese reagiert dann und holt das Rehkitz über Nacht aus dem Versteck. Seit einiger Zeit kommen auch Drohnen mit Wärmebildkameras zum Einsatz. Beide Verfahren leisten einen grossen Beitrag zur Rettung von jungen Wildtieren.
Im Video sieht man einen Jagdhund. Ist das dein Hund?
Ah, das ist Nico, ein 14-jähriger Juralaufhund. Als er in unsere Familie kam, habe ich noch im Elternhaus gewohnt. Er kam dann auch immer mit zur Jagd mit meinem Vater und mir. Ich habe mit ihm dann die Gehorsamsprüfung absolviert.
Die Leute suchen wieder vermehrt den Bezug zur Natur und wollen die natürlichen Prozesse kennenlernen. Dafür eignet sich die vielseitige Ausbildung zum Jäger ausgezeichnet!
Nachsuche auf der Jagd
Was kannst du zur sogenannten Nachsuche sagen?
Als Nachsuche, auch Schweissarbeit oder Fährtenarbeit genannt, wird bei der Jagd das Suchen und Aufspüren sowie gegebenenfalls auch Erlegen von zuvor nicht unmittelbar auffindbarem, verletztem oder totem Wild bezeichnet. Dafür benötigt man einen Hund, der speziell für die Nachsuche geeignet ist und entsprechend ausgebildet worden ist. Dieser Hund nimmt dann die Fährte auf und führt dich im Idealfall zum gesuchten Tier. Es kann aber auch sein, dass du das Wild mit einem sauberen Schuss triffst und es sich dann trotzdem noch 20 oder 100 Meter weiter im Dickicht verkriecht. Dieses Tier findet man ohne Suchhund fast nicht.
Benötigst du für diese Arbeit anderes Equipment?
Ja, hier kann die Wärmebildkamera wertvolle Dienste erweisen. Sie darf bei der Nachsuche eingesetzt werden. Wenn einem die Wärmebildkamera keine Spur zum Tier liefert, darf man keinesfalls probieren, das Tier ohne Suchhund zu suchen, weil man sonst die Spuren verwischen würde. In diesem Fall rufe ich einen Kollegen der Jagdgruppe an, der einen ausgebildeten Hund hat. Der Kollege entscheidet dann, wie die Suche von statten geht.
Wechselst du die Jagdbekleidung bei der Nachsuche?
Ich nicht. Der hinzugezogene Kollege hingegen schon. Das kommt auf die Umgebung im Wald an. Wird das Tier im dornigen Unterholz vermutet, zieht er eine dornenfeste oder stichfeste Jagdhose und Jacke in Leuchtfarben an. Wie gesagt, das kommt ganz auf die Gegebenheiten vor Ort an und wo das angeschossene Tier vermutet wird.
Kommen wir nochmal auf die Wärmebildkamera zurück - wo kommt diese zum Einsatz?
Meine Wärmebildkamera habe ich immer dabei. Es ist erlaubt, damit das Wild zu beobachten. Es gibt auch Wärmebildvorrichtungen, die auf dem Gewehr montiert werden können. Mit Hilfe einer Wärmebildkamera zu schiessen ist allerdings im Kanton Bern verboten.
Was gehört eigentlich alles zur Ausrüstung eines Jägers?
Das ist von Jäger zu Jäger sicher individuell. Nebst der Jagdbekleidung, welche auf der Jagd essenziell ist, habe ich wie gesagt die Wärmebildkamera auf dem Ansitz immer dabei. Hinzu kommen weitere Jagdutensilien: Natürlich das Gewehr, Zielstock, Feldstecher, Gehörschutz, ein Jagdmesser. Und selbstverständlich mein Jagdpatent.
Du bist in derselben Jagdgruppe wie dein Vater. Ist es anders, wenn man mit dem Vater auf die Jagd geht?
Bei der Wildschweinjagd bin ich ohne meinen Vater unterwegs. Auf der Herbstjagd ist mein Vater hingegen meistens dabei. Die Jagd unterscheidet sich dadurch nicht. Cool ist, dass man nach der Jagd oder am Wochenende die Erlebnisse auf der Jagd zusammen teilen kann. Die Jagd ist ein tolles Hobby, welches das Vater-Sohn-Verhältnis auf eine schöne Art vertieft.
Funktionale, robuste Jagdbekleidung ist essenziell
Welche Rolle spielt die Bekleidung bei der Jagd?
Sie ist zentral! Mein Vater hat mir mal eine grüne Jacke geschenkt. Damit bin ich gestartet. Später kam dann etwas von einer Messe dazu. Dann lernst du mit der Zeit, was dir fehlt, was funktioniert und was weniger geeignet ist. Du stellst fest, dass die Hose nicht wasserdicht ist. Oder dass die Schuhe störende Geräusche machen. Beim Kollegen entdeckst du dann, dass es extra geräuscharme Stiefel gibt. Und so stellst du dir mit der Zeit deine ideale Jagdbekleidung zusammen. Meine Stiefel habe ich effektiv vorher bei einem Jagdkollegen gesehen. Das war für mich damals eine ziemlich grosse Investition. Nun trage ich dieselben Stiefel seit 16 Jahren. Die Investition von damals hat sich also gelohnt! Meinen Le Chameau Stiefel möchte ich nicht mehr hergeben.
Worauf legst du wert bei der Jagdbekleidung?
Das kommt auf die Art der Jagd an. Bei der Wildschweinjagd, wo ich mehrere Stunden in der Kälte sitze, sind andere Kriterien zu berücksichtigen als bei der Gamsjagd im Oberland oder der Rehjagd. Wenn ich bei Letzteren am morgen früh zum Ansitz laufe, dann hat es noch Tau. Da bewähren sich meine Stiefel von Le Chameau extrem! Dann sitze ich mehrere Stunden auf dem Sitz. Hier ist die funktionale Jagdbekleidung von Pinewood ein Segen. Sie ist wasserdicht und atmungsaktiv. Schweiss wird nach aussen abgeleitet und ich habe jederzeit schön warm. Wenn es dann Tag wird, können die Temperaturen auch rasch ansteigen. Der Nebel löst sich auf und Augenblicke später spürst du die wärmenden Sonnenstrahlen. In solchen Situationen sorgen Belüftungsreissverschlüsse für ein angenehmes Klima, ohne dass ich etwas ausziehen muss.
Hast du einen generellen Tipp für Jungjäger punkto Jagdbekleidung?
Ja, ich habe zum Glück früh die Erfahrung gemacht, dass sich funktionale Jagdbekleidung ausbezahlt. Die richtigen Jagdstiefel, wasserfeste Jagdhosen und eine funktionale Jagdjacke mit genügend Taschen am richtigen Ort sind Gold wert. Mein Tipp: Von Anfang an in qualitativ hochwertige und funktionale Jagdbekleidung investieren, ansonsten kauft man es doppelt, weil das «günstigere» Material doch nichts taugt.
Hast du nie einen Rucksack dabei?
Wenn ich in Lyss und Umgebung jage, dann nicht. Ergo trage ich alles, was ich brauche, auf mir: Munition, ein Jagdmesser und anderes mehr. Dafür braucht es eine Jagdjacke und Jagdhose mit genügend Stauraum und Taschen an den richtigen Stellen. Im Oberland auf der Gamsjagd habe ich einen Rucksack dabei, weil man da oft den ganzen Tag unterwegs ist ohne Möglichkeit, rasch zum Auto zurückzukehren.
Was bedeutet Urech Lyss für dich?
Urech Lyss kenne ich von Kindsbeinen an, da ich in Lyss aufgewachsen bin. Der Laden bietet eine tolle Auswahl an funktionaler Jagdbekleidung. Das schätze ich sehr!
Heute kann man Kleider auch im Internet bestellen…
Ja, das stimmt. Urech Lyss hat ja auch einen Onlineshop, wo die Auswahl noch viel grösser ist als im Laden. Aber ich bevorzuge trotzdem den Gang in den Laden, weil ich dort gut beraten werde und mir alles ansehen und mit den Händen spüren kann. Gefällt mir etwas, kann ich es gleich anprobieren. Das ist mir viel sympathischer, als mir die Ware nach Hause zu bestellen, anzuprobieren und dann zu retournieren, was nicht passt. Diese Umtriebe und der Aufwand sind mir zuwider.
Was zeichnet Urech Lyss für dich aus?
Die Bedienung ist superfreundlich und kompetent. Muss etwas bestellt werden, geht das schnell und unkompliziert. Die Auswahl ist gut und ich finde dort, was ich brauche.
Letzte Frage: Was war bis jetzt dein schönstes Jagderlebnis?
Das war in Schweden. Da durfte ich einen grossen Elch erlegen. Diese Tiere sind eindrücklich! Man unterschätzt, wie gross ausgewachsene Elche sind. Die Trophäe hängt jetzt bei mir im Wohnzimmer.
Lieber Tobias, vielen Dank für dieses Gespräch und Waidmannsheil.
Waidmannsdank.
Dieses Gespräch wurde im Mai 2023 aufgezeichnet.